Stefan Gerlach, ein uns allen bekannter, treuer
Begleiter unserer Wismut
Wie es sich für einen Stammtisch gehört, trafen wir uns im "Blick" auf ein Bier und der Stef erzählte uns, wie er zum Fußball und zu seiner Musik kam. Dafür an dieser Stelle ein herzliches Dankeschön.
Ein Schmunzeln kann er sich nicht verkneifen, als er beginnt über sich zu erzählen - geboren ist er am 4.2.1947 nämlich in Chemnitz. Nach vier Jahren "Rußchamtz" verschlägt es ihn aber in seine Heimat, wie er immer wieder betont: nach Stützengrün.

Stef in Concert zum "Forumstreffen
auefans.com 2005" in Pobershau
Der Vater folgte dem Ruf eines ehemaligen Kriegskameraden und wurde Fußballtrainer von Aufbau Stützengrün. Nur 100m vom Sportplatz entfernt einquartiert überwand der kleine Gerlach den anfänglichen "Kulturschock" der erzgebirgischen Mundart beim bolzen mit den neuen Spielgefährden schnell. Natur pur, grüne Wiesen, kein Fernseher, es wurde dem Papa nachgeeifert und wo es nur ging an die Kugel getreten. Um ein Haar jedoch wäre er in dieser Zeit wahrscheinlich zum FCM Fan geworden - sein Vater sollte Trainer der Fußballer von Aufbau-Börde Magdeburg (später der FCM) werden. Glücklicherweise hatte sich die Mutter durchgesetzt und man blieb in Stützengrün.
Seine Feuertaufe im Otto Grotewohl Stadion erlebte er in der Saison 1954/55. Ein einschneidendes Erlebnis, denn die Faszination Wismut ließ ihn nicht mehr los. Ob im Stadion oder am Radio, ob Lok Stendal oder Ajax Amsterdam, er verfolgte fortan alle Spiele. Zur Not ging`s mit dem Fahrrad nach Zwickau zum Auswärtsspiel. Er sah die großen Stars der Wismut noch spielen: Satrapa, Tröger, Kaiser, die Wolf-Brüder und alle anderen Helden dieser Zeit. Zurückschauend resümiert der Stef heute mit funkelnden Augen: "
verbrachte ich eine riesen Kindheit!". Nicht unwesentlichen Anteil daran hatten die Freiräume, welche das elterliche Geschäft des Konsum-Landwarenhauses mit sich brachten.
Nach acht Jahren Grundschule Stützengrün kam er dann auf das Gymnasium in Schneeberg und auch seine erste Gitarre bescherte ihn diese Zeit. Die Inspiration für die Musik ergab sich wieder durch den Fußball: Bei den Auswärtsfahrten der Aufbau-Jungs (auf der Pritsche eines LKWs) hatte ein Mannschaftskamerad immer eine Gitarre dabei und es wurden Lieder gesungen. Dort sagt er, liegen wohl die Wurzeln seiner Musiker-Karriere. So gründete er 1961 seine erste Band "Virginia" und schwamm auf der abebbenden Welle des Rock`n Roll durchs westliche Erzgebirge. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn mangels Proberaum begaben sich die drei Jungmusiker zum üben in die "Reit". Seinen ersten richtigen Auftritt beschreibt er so:
"Wenig später sollten wir im Stützengrüner FDJ-Jugendclub auftreten, der seinerzeit von einem alten Freund Wolfgang Kuschel aus meiner Straße geleitet wurde, welcher wie alle Klubbesucher, nur Rock `n Roll und Westschlager im Sinne hatte. Auf einem voll bepackten Handwagen ging es mit unserer "Ausrüstung" den steilen Schachter-Berg hinunter zum Klub im Grund, nahe des Gasthauses "Stollmühle". Auf dem Wagen führten wir ein altes Radio mit, dessen Tonabnehmerausgang wir als Klampfen-Verstärker nutzten. Als meine beiden Mitstreiter die vielen Motorräder vor dem Laden sahen, bekamen sie weiche Knie und wollten schnell wieder umkehren. Mit aller Mühe konnte ich sie davon abhalten. Drinnen haben die Rocker dann ganz schön gestaunt und sogar getobt, als wir aufzwickten..."Rock around the clock", "Come on let´s twist again in the midnight summer..." - Apropos "midnigt summer": Der elfjährige Wolfgang hatte sich für seine Eltern ein starkes Alibi einfallen lassen: "Er müsste mit dem Akkordeon zum Pioniernachmittag..."
Mit seiner Musik versuchte Stef immer energischer dem System der Zensur und Reglementierung zu entfliehen. Beatles, Rolling Stones und der Hauch von Freiheit statt Volkseigene Musik und FDJ-Gleichschritt waren sein Leben. Nach den Jahren mit kleinen Klubkonzerten stellten sich mit dem ersten richtig großen Saalauftritt in Schönheide auch Erfolge der Band in größerem Umfang ein. Mit seiner neuen Gruppe "The Gouverneurs" jedoch war dann auch die aktive Fußballzeit besiegelt. Gegen eine "Karriere" als Fußballer entschied er sich schweren Herzens ausgerechnet auf dem Sprung in die Männermannschaft. Ein "Großer" wäre er aber nie geworden, sagt er von sich selbst. Dazu hätte dem "Mittelfeldmotor mit der großen Lunge" die Grundschnelligkeit ein Stück weit gefehlt. Das Zucken im Fuß blieb aber all die Jahre bestehen. Ebenso die Leidenschaft für Wismut Aue - er ging zwar nicht mehr ins Stadion, war aber betreffs der BSG immer und überall auf dem aktuellen Stand.

DDR Folk- und Kultband Wind,
Sand und Sterne mit Frontmann
Stefan Gerlach Ende der 70er
Seine Fußballerkarriere wäre wahrscheinlich weniger problematisch verlaufen, denn The Gouverneurs wurden bald verboten. Im großen Schlag des Systems gegen die Stephan Heyms der DDR wurde unter schwierigen Bedingungen und mittels Mundpropaganda weiter gemacht. Die Gruppe nannte sich derweil ganz harmlos "Forte Quintett". Irgendwie schaffte man es so immer, dass es offiziell zwar keine Konzerte gab, die Tramps und Fans aus der ganzen Zone aber anwesend waren. In diese Zeit fällt auch der Umzug nach Thalheim und da die Hälfte der Bandmitglieder in den Westen ging, gründete Stefan Gerlach "Satori". Deren Fanpotential im Raum Südwestsachsen belief sich auf mehrere Tausend Anhänger. Selbst Auftritte in Weimar waren "ausverkauft" und 50 Mark pro Mitglied und Auftritt waren damals schon eine Menge Erz. Auf dem Höhepunkt wurde es dem Idealisten Stefan Gerlach jedoch zu kommerziell, er stieg aus und gründete 1974 wieder als Frontmann die legendäre Band "Wind, Sand und Sterne". Inspiriert von Bob Dylan und L. Cohen war ihre Musik auch ein Stück Gegenkultur in der DDR. Unplugged-Folkmusik brachte die Tramperszene der DDR Ende der 70er mit Hits wie "Tramptour", "Verflossene Jahre" oder "Die 169" zum kochen. Als eines der wichtigsten Stücke nennt der Künstler aber den Mundartsong "Wiedermol derham" (1982). Offizielle Aufnahmen aus dieser Zeit gibt es leider keine, Wind, Sand und Sterne waren eine reine Live-Band!
Den Weg zurück ins Lößnitztal und damit zum Fußball fand Stefan Gerlach nach seinem Einstieg bei der Affalterer Kultband "Sirius" 1984. Dort kam er an den Stammtisch vom "Schönburgschen Hof" im Affalterer Streitwald - im Volksmund genannt "beim Starkbier". Er war wieder in der Szene aktiver Aue-Fans angekommen, die Wismut befand sich mit Thomale, Escher, Erler, Weißflog, Mothes und Co im Aufwind und der Stef lies sich überreden, wieder mit ins Stadion zu pilgern, was wohl aber nicht wirklich schwer war. Auch für ihn gilt: EINMAL AUE - IMMER AUE!
Eines Tages - wo sonst als am Stammtisch vom Starkbier - bat ihn der Mannschaftsleiter "Zimbo", er solle doch mal ein Lied über Aue und die Spieler "machen". So entstand in der Kneipe das "Wismut Aue Lied", uraufgeführt vor 10.000 Zuhörern im Stadion zum Spiel gegen CZ Jena am 5.4.1986. Vielleicht fühlte sich ja deshalb unsere Flocke beflügelt, als erster deutscher Torhüter ein Feldtor zu erzielen (zum 1:1 in der 90. Min.) Der damalige Stadionsprecher Lothar Spitzner fand die Aufnahme so klasse, dass der Verein eine richtige Produktion ankurbelte. So kam es, dass der hauptberuflich als Bibliothekar in Meinersdorf arbeitende Sänger das "Wismut Aue Lied" und das "Lößnitztal" in einer Art Studio der Blema gemeinsam mit dem dort tätigen Peter Höhne aufnahm. Diese Songs konnten damals leider nicht auf Tonträger veröffentlicht werden und wurden nur im Stadion gespielt.
Es war die zweite Glanzzeit des Auer Fußballs nach den 50ern aber noch intensiver sollte auch die Dritte Stefan Gerlach zu einer ganzen Reihe starker Auelieder inspirieren, doch davon erzählt er uns im Rahmen unseres FCE Stammtisches in einer der nächsten Ausgaben etwas ausführlicher.
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