Interview des Fanclubs Bergkgeschrey
mit Gerd Schädlich vom 22. Mai 2008

Als Gerd Schädlich nach dem Spiel bei 1860 München im Dezember 2007 zurücktrat, waren einige Fanclubmitglieder erleichtert und einige regelrecht geschockt. Einig waren wir uns aber darin, dass wir ihm viel zu verdanken haben. Aus diesem Grund wollten wir ihm für die traumhaften Jahre in Aue unsere Anerkennung zeigen. Wir sammelten für ein Geschenk und nahmen uns vor, ihm dies persönlich zu übergeben. Aufgrund der Krankheit von Gerd und unserer sportlichen Situation klappte dies erst am 22. Mai, als wir uns mit ihm im Landhaus Puschke in Erdmannsdorf bei Chemnitz trafen. Bekanntlich wurde Gerd drei Tage später offiziell als neuer CFC-Trainer vorgestellt. So hatten wir (ungeahnt) das Glück, ihn noch einmal unbefleckt zu ehren. Als Vertreter unseres Fanclubs wurden King Ralph und meine Wenigkeit von Gerd (im Bild v.l.n.r.) zu Bier und kleinen Happen eingeladen. Unser ehemaliger Erfolgstrainer erfüllte auch unserem Wunsch nach einem Interview, welches wir hiermit allen Fans zur Verfügung stellen möchten.

Vor der Zeit in Aue

BERGKGESCHREY: Als was fühlst du dich eigentlich? Als Rodewischer, Vogtländer, Chemnitzer, .. ?
Gerd Schädlich: Vielleicht als Sachse (lacht). Aus Rodewisch stammen auch meine Frau und meine gesamte Verwandtschaft. Ich bin 1968 auf die Sportschule in Karl-Marx-Stadt und die ersten 10-15 Jahre noch ein paar Mal oben in Rodewisch gewesen. Aber wenn man 40 Jahre weg ist, dann existiert schon ein gewisser Abstand. Auf jeden Fall denke ich, dass ich ein bodenständiger Typ bin. Ich muss also nicht schauen, ob in Emden oder sonst wo eine Trainerstelle frei wird.

BERGKGESCHREY: Das ist ein gutes Stichwort, aus deiner Trainerlaufbahn fällt ein bissl die kurze Station Sachsen Leipzig aus dem Rahmen. Was war da passiert?
Gerd Schädlich: Das war ganz einfach. Der Hauptsponsor Klaus Wienhold brachte einen neuen Spieler, Roman Müller, der auch später in Aue gespielt hat. Es war ungefähr der 6. Spieltag. Soweit ich mich erinnern kann, waren wir Tabellenerster, hatten fast alle Spiele gewonnen und sind ohne Gegentor geblieben. Ich hatte also keine Veranlassung, diesen Spieler einzusetzen. Mit ihm hatte ich das auch geklärt, da gab es keine Probleme. Aber der Sponsor wollte, dass er von Anfang an spielt. Ich habe ihn nicht eingesetzt und das hat ihm wohl nicht gefallen. Er dachte wohl, dass er als Hauptsponsor auch die Aufstellung bestimmen kann. Jedenfalls gab es nach dem Spiel eine Präsidiumssitzung und ich wurde daraufhin entlassen. So schnell ging das..(grinst) . Das war vielleicht auch gut für meine weitere Karriere. Man wusste seitdem, dass man mit mir reden kann, ich mich aber nicht in die Aufstellung reinreden lasse.

BERGKGESCHREY: Wie kamst du nach Aue? Stimmt es, dass Andreas Zeise den ersten Kontakt herstellte?
Gerd Schädlich: Nachdem ich bei Sachsen Leipzig entlassen wurde, war ich bei Hoyerswerda. In dieser Saison hatten wir ein Pokalspiel gg Aue und verloren 1:3. Andreas Zeise wollte unbedingt einen Fanschal von Hoyerswerda und da er ebenfalls in Chemnitz wohnte, habe ich ihm den Schal vorbeigebracht und so kamen wir ins Gespräch. Im Frühjahr hat man Frank Lieberam nach einer Niederlage in Chemnitz entlassen und der Verein führte daraufhin mit drei Kandidaten Gespräche: Mit Frank Papritz, 'Matze' Vogel und mit mir. Man hat sich aber für keinen der drei, sondern für das Duo Lindemann und 'Erle' entschieden. Aber der erste Kontakt war da. Nach einem Spiel zu Hause gg den DSC (1:1) am Ende der Saison hatte es sich 'Linde' wieder anders überlegt und vom Traineramt der darauffolgenden Saison Abstand genommen. Es wurde ihm wohl zuviel, da es um die wichtige Qualifikation der zweigleisigen Regionalliga ging. Nach 'Lindes' Entscheidung rief mich Bertram Höfer an und dann ging alles sehr schnell. Ich hatte zwar noch Vertrag in Hoyerswerda, aber mit Ihnen habe ich mich schnell geeinigt. Ja, und dann gings los. Mit der Verpflichtung von Isa und Kirsten ..

BERGKGESCHREY: .. a propos .. stimmt es, dass du vor der Saison 1999/2000 den Kontakt zu Kirsten und Lindemann den Kontakt zu Isa hergestellt hat?
Gerd Schädlich: Ja, das stimmt so. Isa kam über seinen Berater Ramadani und 'Jockel' kannte ich noch aus Zwickauer Zeiten. Ich las in der Zeitung, dass der Mannheimer Trainer Rappolder nicht mehr mit Jockel für die 2.Liga planen wollte (Mannheim stieg damals in Liga 2 auf, Anm.). Dann ging es relativ schnell und ich denke, dass das zwei sehr wichtige Entscheidungen waren. In der Saison zuvor stieg Chemnitz auf, wir waren 7. und davor noch Zwickau, Plauen und andere Mannschaften. Man hatte Bedenken, in der nun folgenden Saison die Qualifikation zu schaffen. Das war schon wichtig, dass man diese beiden Spieler bekam. Ohne die beiden wäre es schwer geworden.

Während der Trainerzeit in Aue

BERGKGESCHREY: Ist es wahr, dass noch während deiner Amtszeit in Aue eine weitere Zusammenarbeit mit Lindemann seitens des Vereins abgelehnt wurde? Hat prinzipiell nicht neben dir eine zweite Person mit Fußballsachverstand gefehlt?
Gerd Schädlich: Lutz ist 2002 vom Verein weg. Er hatte andere Überlegungen und wollte sich neu orientieren. Das ging nicht vom Verein aus, sondern von Lutz selbst. Es kann schon sein, dass später von Lutz selbst die Überlegung für eine erneute Zusammenarbeit bestand. Er wohnt ja auch immer noch in Bermsgrün und hat das Geschehen verfolgt. Ich weiß nicht, warum das ganze nicht zu Ende gedacht wurde. Es ist ja nicht schlecht gelaufen, abgesehen vom letzten Jahr. Man hat sich gesagt, dass man die Arbeit des Managers auf viele Schultern verteilt. Es ist ja nicht so, dass wir abgestiegen sind, weil ein hauptamtlicher Manager gefehlt hat. Magath z.Bsp. macht ja eine ähnliche Geschichte in Wolfsburg.

BERGKGESCHREY: Würdest du rückblickend sagen, dass es vom Umfang her zuviel Arbeit war, um optimaler zu arbeiten?
Gerd Schädlich: Nein, das würde ich nicht sagen. Es war sicher eine arbeitsintensive Zeit, aber überlastet war ich nicht. Ich hätte vielleicht die eine oder andere Spielbeobachtung weglassen können. Die Einsicht hätte ich vielleicht haben müssen. Es war schon eine gute Zeit und es hat gepasst. Ich möchte im Nachhinein auch keinen Grund konstruieren, warum es nicht gereicht hat ..

BERGKGESCHREY .. das wollen wir auch nicht. Die Frage zielte eher in Richtung Vereinsstruktur. Wäre es nicht besser, sich wenigstens einen zweiten Mann im sportlichen Bereich zu leisten?
Gerd Schädlich: Klar, die meisten Vereine machen das ja auch. Aber dafür muss man auch wieder eine Stelle und entsprechend Geld beschaffen. Man hat auch immer versucht, sehr effektiv mit dem vorhandenen Geld umzugehen. Warum es letztes Jahr schief gegangen ist, hat mehrere Gründe. Aber nicht wegen eines fehlenden hauptamtlichen Managers. Diesen hatten Jena und Paderborn beispielsweise auch und sind trotzdem abgestiegen. Man sollte da nichts an den Haaren herbeiziehen.

BERGKGESCHREY: Aber es gab z.Bsp. auch deinen 'Ausfall' beim Trainingslager in der Winterpause 2006/07, als dich keiner ersetzen konnte. Ist es nicht gefährlich, die gesamte Verantwortung nur auf eine Person zu legen?
Gerd Schädlich: Aber es ist über die Jahre gut gegangen. Trotz meines Ausfalls haben wir am Ende den 8. Platz belegt. Ich denke, wir haben in den Jahren einfach im optimalen Bereich gearbeitet. Für kleinere Vereine wie Cottbus, Freiburg oder Rostock ist so ein Abstieg nichts Unnormales. Die kommen auch immer wieder hoch. Es war überraschend, überhaupt 5 Jahre in der 2.Liga zu spielen. Man muss sich nun neu finden und versuchen, wieder zurückzukommen. Aber du kannst nicht davon ausgehen, dass du als Aue ständig in der 2.Liga spielst. Du hast hier nicht dieselben Möglichkeiten wie beispielsweise Augsburg. Du wirst immer zu denen gehören, die zu den Absteigern gehandelt werden. Du musst es nur wissen! Diese Selbstverständlichkeit habe ich als größtes Problem gesehen. Die 2.Liga hat man schon als Gegeben gesehen. Vom Umfeld färbt sich das auf die Spieler ab.Wir haben auch immer die Krisen gemeistert. Irgendwann kann das schief gehen. Wir hatten immer eine schwächere Phase gehabt, aber auch unsere Siegesserien. Zum Teil 4-6 Spiele in Folge gewonnen. Aber deshalb muss ich nicht gleich von der 1.Liga reden. Man kann damit ruhig mal einen Spaß machen gegenüber den Fans, warum nicht. Aber die unmittelbaren Leute im Verein müssen die Übersicht bewahren. Es wäre ja nicht das Normale, wenn Aue in der 1.Liga spielen würde. Da würde alles zusammen kommen. Die einen kriseln und man selbst kommt durch.

BERGKGESCHREY: Was war für dich das beste Spiel deiner Zeit in Aue? Hinsichtlich der Dramatik, der Spielweise oder einer persönlichen Erfahrung ..
Gerd Schädlich: Da gibts so viele.. . Ich denke gerne an das Spiel in Dresden zurück als wir uns in einer schwierigen Phase befanden und 4:1 gewannen. Oder das Spiel in Köln, als wir auch in einer schwierigen Situation 1:0 gewonnen haben. Oder daheim das 2:1 gegen Rostock.

BERGKGESCHREY: Wenn drei verschiedene Trainer in einer Saison ähnliche Ergebnisse abliefern, so kann es doch letztendlich nur an der Qualität der Mannschaft gelegen haben .. ?
Gerd Schädlich: Mmh, trotzdem hätte es eigentlich reichen müssen. Sicherlich haben wir im Herbst paar Dinger liegen gelassen, wenn ich an das 2:2 gegen Hoffenheim denke. In Köln hatten die beim 3:2 nicht eine einzige Ecke. Das erste Tor von Helmes gg Loose war Abseits, was nicht durch Premiere oder DSF, sondern erst vom Raiko Richter vom MDR aufgeklärt wurde. Oder wie sich der Kosi beim 3:2 verhält .. da kannst du auch zum Schwein werden! So eine Alibiflanke von der Seitenlinie wo er unten drunter springt. Wir spielen in Köln und die haben nicht eine Ecke und wir holen nicht einen Punkt. Oder in Mainz, wo wir dann Tore bekommen, die Abseits sind. So etwas wird immer passieren, ist schon klar. Oder das Spiel in Osnabrück, wo wir mindestens 2 Tore machen müssen und der Kaufman das 2:2 nicht macht.., ach hör mir auf .. ! Oder die Rückrunde, wovon ich natürlich weniger sprechen kann. Das Heimspiel gegen Osnabrück, das war ein Schlüsselspiel...

BERGKGESCHREY: Kann es auch daran liegen, dass die Mannschaft nicht so zusammen gewachsen ist wie bei einem Aufsteiger wie Osnabrück?
Gerd Schädlich: Das stimmt schon, dass es bei einer Aufstiegsmannschaft mit der Euphorie etwas leichter ist. Das war auch bei uns so. Wir hatten zwar auch Probleme, in die 2.Liga hineinzukommen, aber dann war die Euphorie in der Mannschaft, du willst es allen zeigen usw. Im 4. oder 5. Jahr ist das nicht mehr so. Auch wenn du als Trainer warnst, letztendlich denken alle, der Trainer stapelt doch nur tief. Aber Burghausen ging es genauso, die haben Markus Schupp hinausgeworfen und dachten auch anders. Aue hat wenigstens Tradition, aber von der Stadt her ist es mit Aue vergleichbar. Und na ja, dann kommen die Medien hinzu, die eben auch natürlich ihre Ding dazugeben. Ich habe mir immer gesagt: Jedes Jahr was du länger mit Aue in der 2.Liga bist ist Wahnsinn! So wie Cottbus in der 1.Liga. Aue als Paradebeispiel für den Osten und die großen Städte hängen alle hinterher.

BERGKGESCHREY: Aber auch intern. Nichts gg Emma, aber warum hat er nicht mal so richtig auf den Tisch gehaun? Man hat nichts von einem Aufräumen oder Zusammenhalt gehört wie in den ersten Jahren. Lag es an der fehlenden Hierarchie, waren die Führungsspieler zu alt und leistungsmäßig zu schwach?
Gerd Schädlich: Ich denke schon, dass da was dran ist. Da kommen eben paar Dinge zusammen. Kosi war jahrelang eine Bank und mit Abstand der Beste. Bei Emma kam auch vieles zusammen, wie zum Beispiel die Verletzung vor der Saison. Aber so weit weg waren wir eigentlich nicht. Wenn du das Spiel gegen Osnabrück gewinnst, dann wäre man vor Osnabrück gewesen und es bekommt wieder die Eigendynamik. Das ist eben so ein Schlüsselspiel und du hast auch nicht das Quäntchen Glück.

BERGKGESCHREY: .. ein Schlüsselspiel war es laut Trainer Seitz ja nicht. Der wollte eben Druck nehmen. Aber er hätte einfach nichts sagen sollen ..
Gerd Schädlich: .. doch, aber eben anders machen. Pass auf, du kannst das ja sagen, um die anderen bissl einzulullen. Aber wenn ich gesehen habe, wie wir gespielt haben! Die gute Seite muss man nutzen, drauf gehen, Standards und Ecken rausholen, dann quicken sie draußen usw. Aber wir haben abwartend, hinhaltend, ängstlich und passiv gespielt. Oft wird ja vorm Spiel bissl Scheisse erzählt, um die Leute zu täuschen. Aber intern musst du sagen, dass wir die rasieren werden. Das hat man nicht gesehen. Man hat gedacht, wir spielen gegen den 1.FC Köln. Der Heidrich konnte die Bälle in aller Ruhe annehmen und die konnten über paar Stationen die Bälle verteilen. Die wurden immer sicherer und dann passiert so ein Schweinetor von Tommek. Aber wir hatten vorher ja auch ein bis zwei Möglichkeiten. Man hätte richtig draufgehen müssen wie wir es oft zu Hause gemacht haben. Druck machen, Standards rausholen, Hektik machen und dann wackeln die anderen doch auch ..

BERGKGESCHREY: Gab es mal eine Anfrage anderer Clubs?
Gerd Schädlich: Von Essen gab es mal eine Anfrage. Aber das wollte ich nicht machen. Ich bin 55 Jahre und wir haben vor 9 Jahren hier in Chemnitz am Stadtrand gebaut. Als Trainer dieser Region hat man es woanders auch schwer...

BERGKGESCHREY: Hans Meyer ..
Gerd Schädlich: Schaut doch mal, wie es bei Hans Meyer lief. Er ist Union rausgeflogen und ist zu Twente Enschede. Erst durch 2-3 Jahre erfolgreicher Arbeit dort kam er in die Bundesliga.

BERGKGESCHREY: Es ist ja oft unerklärlich, wie die Trainer zu ihren Vereinen kommen...
Gerd Schädlich: .. oft spielen auch persönliche Kontakte eine Rolle, die man nicht kennt. Als Außenstehender sind manche Trainerverpflichtungen eben schwer verständlich. Ich hätte z.Bsp. auch nicht gedacht, dass ein Roland Seitz verpflichtet wird. Ihr doch bestimmt auch nicht .. (grinst) ? Als ich selbst damals kurz vor Weihnachten in Zwickau rausgeflogen bin, wurde ein Achim Streich verpflichtet. Der war aber ca 8 Jahre vorher kein Trainer mehr. Bei Roland Seitz weiß ich aber, dass der Vorstand sehr akribisch bei der Trainersuche dabei war.

BERGKGESCHREY: Was geschah in der Saison 2006/07 beim und nach dem Spiel gg Fürth (0:3)? Damals gab es eine kleine Niederlagenserie. Zudem erfolgten danach Krankmeldungen (Kos, Emmerich, Liebers, Juskowiak) vieler Führungsspieler .. . Das roch für uns nach Meuterei...
Gerd Schädlich: Nee, da war wirklich ein Virus in der Mannschaft. Gegen Fürth haben wir einfach nur schlecht gespielt. Juskowiak, Curri und Emmerich sind ja zum nächsten Spiel nach Burghausen mitgefahren. Juskowiak hat noch signalisiert, dass es für 15min reichen könne und er kam ja dann auch tatsächlich noch rein und hat sogar den Ausgleich vorbereitet. Nein, da gab es keine Meuterei.

BERGKGESCHREY: Welchen Spieler der letzten Jahre hättest du gerne noch behalten?
Gerd Schädlich: Den David Siradze beispielsweise hätte ich im letzten Jahr ganz gerne behalten. Andrzej ging ja nicht mehr.

BERGKGESCHREY: Matze Heidrich .. ?
Gerd Schädlich: Klar hätte ich ihn auch gerne behalten. Aber wenn Alemannia Aachen ihn haben will, dann hast du keine Chance. Matze war ja auch ein wichtiger Spieler für die Mannschaft. Er war Führungsspieler und hat eine wichtige Rolle in Sachen Zusammenhalt gespielt. Er hat auch immer etwas gesagt, war kritisch, aber ok. Er war ein wichtiger Spieler, aber es war nachvollziehbar, dass er die Möglichkeit des Wechsels wahrgenommen hat.

BERGKGESCHREY: Hattest du Lieblingsspieler? Man hatte den Eindruck, dass 3-4 Leute wie Kurth, Heidrich oder Trehkopf bei dir unter diese Kategorie fallen könnten. Spieler, die seitens der Zuschauer manchmal unerklärlich in der Anfangself standen ..
Gerd Schädlich: Das müsste jemand einschätzen, der die ganze Woche bei der Mannschaft dabei ist. Ich glaub nicht, dass der Zuschauer weiß, was unter der Woche so läuft. Bei 'Kurthi' ist immer ein bisschen Stimmung gegen ihn gemacht wurden. Er war aber ein ähnlicher Spieler wie Heidrich, was die Rolle für die Mannschaft auch neben dem Platz betrifft. 'Treher' hat leider im letzten Jahr einige Schwächen gezeigt, da hatten wir auch wenig Alternativen auf der linken Seite. Ich glaube aber nicht, dass die betreffenden Spieler dies so sehen (grinst). Ich als derjenige, der sie immer so zusammengeschissen hat, soll sie als Lieblingsspieler angesehen haben? Da müsst ihr Heidrich und 'Treher' mal fragen, ob sie das denken. Ich glaube nicht. Aber vielleicht sehen es andere so. Kann ja durchaus sein, ohne dass man es als Trainer merkt. Der 'Treher' hat ja immer gut mit 'Emma' harmoniert und in seiner guten Phase mit links gute Freistöße geschossen. Bewusst habe ich das aber nicht gemacht. Ein Trainer wäre ja doof, wenn er einen schwächeren Spieler bevorteilt. Man will ja erfolgreich sein und seinen Job behalten und Geld verdienen.

BERGKGESCHREY: Die jahrelangen Diskussionen, die 4er Kette einzuführen oder Emmerich ins Mittelfeld zu stellen, haben dich ja sichtlich genervt. Fühlst du dich jetzt bestätigt, die Taktik genau richtig nach den maximalen Möglichkeiten festgelegt zu haben?
Gerd Schädlich: Es wird immer Diskussionen geben, wenn es mal nicht läuft. Als 2002 Hasse, Kunze, Tomoski, Sionko und Linde den Verein verließen hieß es ja, dass wir absteigen. Wir haben 'Shubi' und 'Emma' geholt, nur um zwei zu nennen. 'Emma' sollte die Rolle von Hasse, oder Tautenhahn paar Jahre zuvor, übernehmen und die zentrale Rolle in der 3er Kette übernehmen. Dann hat sich ja auch alles positiv entwickelt und wir sind aufgestiegen. Da gab es keinen Grund, etwas zu ändern. In der 2.Liga stand die Abwehr sicher und wir hatten eine gute Defensivquote. Ob 3er oder 4er Kette, alles hat seine Vor- und Nachteile. Ein Hans Meyer hat auch zu Beginn bei Nürnberg mit einer 3er Kette angefangen. Da hast du im Zentrum einen mehr, bist aber auf den Außen etwas anfälliger. Sollst du als 7. oder 8. etwas Grundlegendes ändern? Dies müsstest du erst einmal einem 'Emma' und anderen klar machen, dass du das System umstellen willst. Dann stelle dir vor, du machst es und es geht schief. Alle würden sagen, dass man doof wäre. Man war erfolgreich und bekam deutschlandweit Komplimente. Andere Mannschaften hatten auch eine 4er Kette und sind abgestiegen. Ach .. (winkt ab). Ein Spiel entwickelt sich von 3er Kette phasenweise in einer 4er Kette oder gar 5er Kette. Oder auch umgekehrt. Analog entwickelt sich auch aus einer 4er Kette in eine 3er Kette, wenn der Außenverteidiger raustritt. Wenn ich aber sehe, was wir für Gegentore bekommen haben, dann hat das doch nichts mit der Art der Kette zu tun...

BERGKGESCHREY: .. die Hälfte der Gegentore kamen aus Standards ..
Gerd Schädlich: Was wir für Gegentore aus Standards bekommen haben! Das hat aber nichts mit der Art der Kette zu tun. Das hängt von der individuellen Klasse oder von der Konzentration oder Aggressivität im Zweikampf ab. Emmerich hat ja in den ersten Jahren im Kicker die besten Noten als Abwehrspieler bekommen. Die hätten mich doch alle für doof gehalten, wenn ich da etwas geändert hätte. Wenn du das als Trainer dennoch machst, dann doch nur, um dich selber zu profilieren. Dann dienst dann aber nicht der Sache des Vereins. Es gibt da Selbstdarsteller, da müsst ihr einfach mal hinsehen, die nur sich sehen und entsprechende Sachen machen .. . Hätte ich das geändert wegen angeblicher moderner Anforderungen; ich glaube nicht, dass dies bei einem Emmerich oder anderen auf Überzeugung gestoßen wäre. Die Quote hat doch gepasst. Wenn ein Emmerich ins Mittelfeld gestoßen ist, dann haben sich die Außen fallen gelassen und dann war es auch eine 4er Kette.

BERGKGESCHREY: Könntest du uns bitte genau den Verlauf des Tages beschreiben, an denen das Stadionmodell der Presse vorgeführt wurde? Was waren deine Gedanken dabei?
Gerd Schädlich: Das war ein Freitag und es war Pressekonferenz vor dem 1860-Spiel. Das war ja nichts Neues, das Modell stand ja die ganze Zeit bei Enrico Barth im Zimmer. Das war für mich nichts Überraschendes. Das war auch aus der Euphorie heraus, als wir die 6 Spiele gewonnen haben. Der Gedanke ist ja nicht schlecht, aber wer soll das bezahlen .. ?

BERGKGESCHREY: Es hat sich das also nicht in deiner Arbeit behindert oder beeinflusst?
Gerd Schädlich: Nein, überhaupt nicht.

BERGKGESCHREY: Bei uns in Fankreisen wurde immer, vor allem vor dem Hintergrund der alternden Leistungsträger, das Thema 'Junge Spieler' diskutiert. Gab es keine für uns oder möchtest du lieber mit fertigen Spielern arbeiten...?
Gerd Schädlich:.. Nein nein! Wir hatten zwar die älteste Profimannschaft, aber wir haben doch die Jahre zuvor gute Platzierungen gehabt. Da hält man als Trainer an den Spielern fest. Das war im Nachhinein ein Fehler. Wir hätten ein Jahr eher verjüngen sollen. Aber junge Kerle wie Trehkopf oder Noveski haben wir doch geholt, um nur mal zwei zu nennen. Und aus denen ist auch etwas geworden. Und aus den eigenen Reihen haben wir ständig versucht, einen Siemund, Le Beau, Hampf oder Rupf an die erste Mannschaft heranzuziehen. Der Seitz hat sie ja gleich in die 2.Mannschaft geschickt, bei mir konnten sie wenigstens noch ein bisschen mitmachen. Kevin Hampf hat auch gedacht, er wäre ein Zweitligaspieler, nur weil er mal 6 Spiele gemacht hat. In Erfurt ist er eine Liga tiefer auch nur Einwechselspieler. Ein junger Spieler war zum Beispiel auch ein Florian Heller oder ein Fabian Müller. Aber unser Nachwuchs hat es doch Jahre nicht geschafft, die A-Jugend in die Bundesliga zu bringen oder die 2.Mannschaft in die Oberliga. Dieses Jahr schaffen wir es wohl, dank auch der kontinuierlichen Arbeit von Rico Schmitt. Aber die jungen Spieler aus unseren eigenen Reihen haben eben vielleicht noch nicht das Niveau.

BERGKGESCHREY: Wie schätzt du unseren zukünftigen Nachwuchs ein? Ist da die nächsten Jahre Besserung zu erwarten?
Gerd Schädlich: Ich denke schon, aber das dauert eben seine Zeit. Die anderen Vereine wie Jena oder Chemnitz haben es aus der Vergangenheit heraus einfacher. In den letzten Jahren ist in Aue aber schon etwas vorangegangen, so wurde auch vom Vorstand mehr Geld zur Verfügung gestellt. Da ist schon was passiert, aber ob damit zukünftig Zweitligaspieler heranwachsen, da habe ich meine Zweifel. Aber welche Nachwuchsspieler hat denn zum Beispiel Augburg in seinen Reihen? Im Gegenteil, die haben für Thurk soviel Geld ausgegeben, wie wir vielleicht für die 5 Neuzugänge im Winter. Und die haben gefeiert, weil sie mit 38 Punkten drin geblieben sind. Bei Koblenz sind alle aufgeschreckt, weil sie 2,3 Millionen € für neue Spieler ausgegeben haben. Da denken alle, 'Wer ist schon Koblenz? Ne schöne Gegend aber mehr nicht'. Nein, wir haben gar nicht gemerkt, wo wir hingekommen sind. Oder Hoffenheim, die haben 20 Millionen INVESTIERT! Davon haben wir 3 Jahre lang gelebt! Man muss sehen, dass die zweite Liga für Aue das obere Level ist.

BERGKGESCHREY: Mit Zwickau und Aue warst du doch auch knapp an dem dritten Aufstiegsplatz dran. Mit etwas mehr Glück wäre eventuell noch mehr drin gewesen...
Gerd Schädlich: Ach (wehrt ab), da haben aber auch andere, stärkere Mannschaften geschwächelt. Nur dann geht es doch und man braucht Glück. Aber diese Rechnung macht jede Mannschaft auf und letztendlich steigen schon die besten Mannschaften auf. Klar können alle Kulminationspunkte für dich ausgehen, wie 2003. Oder auch unsere Siegesserie 2006/07. Da muss man doch auch mal richtig hinschauen. Da hatten wir auch großes Glück: In Essen fliegt Mokthari nach 20min raus, daheim beim 5:1 gegen Jena fliegt Hasse runter, in Köln gewinnen wir 1:0 wo die auch Chancen für ein 1:1 hatten, in Karlsruhe, wo die seit Ewigkeiten das erste Mal verlieren und Riesenmöglichkeiten hatten. Oder gg Koblenz zu Hause, als wir 0:1 zurücklagen.

Rücktritt

BERGKGESCHREY: Hast du auf dem Höhepunkt der Krise nach dem 1860-Spiel auch andere Lösungs-möglichkeiten als einen Rücktritt in Erwägung gezogen .. ?
Gerd Schädlich:.. hätte ich mir das Leben nehmen sollen? (Gelächter)

BERGKGESCHREY: .. beispielsweise, die Störfaktoren in der Mannschaft auf die Tribüne zu setzen ..
Gerd Schädlich: Das war ja vorher schon die Alternative, was wir eine Woche vorher entschieden haben. Dass wir uns von einigen Spielern trennen und ein paar neue holen wollten. Aber dann kam dieses ganz schlimme Spiel. Da merkst du als Trainer, dass es nicht mehr passt und es für beide Seiten das Beste wäre, sich zu trennen.

BERGKGESCHREY: Welche Dinge hättest du aus heutiger Sicht anders gemacht? Die verspätete Verjüngung hast du ja schon angesprochen. Vielleicht auch die Zusammenstellung der Abwehr?
Gerd Schädlich: Wir haben das, was für uns auf dem Markt war, geholt. Ich denke, so weit waren wir nicht vom Klassenerhalt weg gewesen. Paulus hatte einen schweren Start, da er fast ein Jahr in Nürnberg nicht gespielt hat. Man stellt sich es auch leichter vor, wie sich das dann in der Praxis darstellt. Man muss auch sehen, was wir für Möglichkeiten hatten und was wir daraus gemacht haben. Es gehen manche Sachen besser auf und manche eben nicht. Wir hatten so viele Krisen, aber die haben wir alle gemeistert. Diesmal eben nicht.

BERGKGESCHREY: Du hast nach dem 1860-Spiel geäußert, dass du von einigen Spielern enttäuscht warst. Wen hast du damit gemeint?
Gerd Schädlich: Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ihr wart doch genauso enttäuscht, es war ja ein richtiger Offenbarungseid. Wir hatten 5 Spiele nicht gewonnen und da bist du auch als Trainer sauer und hinterfragst dich. Es ging ja um den Verein und nicht um meine Person, ansonsten ist man ja ein Selbstdarsteller. Ich denke, dass ich das nie war. Die Spieler haben ja auch immer schnell ein Alibi. Wenn ich da so Sachen im Nachhinein höre .. Fietje Sykora bringt in nur einem von zwölf Monaten richtig Leistung. Im Herbst wurde mir gesagt, dass er in Jena nur bei den letzten Spielen unter Neubarth seinen richtigen Trainer hatte. Selbst zuvor unter Weber wäre er nur Einwechsler gewesen. Ich habe gefragt, ob es anstatt am Neubarth eher an den Verhandlungen um verbesserte Vertragskonditionen lag .. . Da ist man enttäuscht. Da hatte ich erwartet, dass da mehr kommt. Unabhängig von Toren, aber man kann ja entsprechend Einsatz zeigen. Und erst jetzt hat er 4 Wochen mal richtig Gas gegeben. An Einzelpersonen möchte ich es aber natürlich nicht festmachen. Die Punkteausbeute war aber letztendlich nicht ausreichend und da war meine Enttäuschung entsprechend logisch.

Zeit nach Aue

BERGKGESCHREY: Wie hast du die Rückrunde von Aue nach deinem Rücktritt verfolgt?
Gerd Schädlich: Bis auf zwei Spiele während meines Krankenhausaufenthaltes habe ich alle auf Premiere gesehen. Es ist ein eigenartiges Gefühl, grade wenn ich auf das erste Spiel in Fürth denke. Man sieht das schon mit einem anderen Blickwinkel. Das ist schon sehr komisch, daran muss man sich erst einmal gewöhnen.

BERGKGESCHREY: Ist es schmerzhaft mit anzusehen, wie die persönlich über Jahre zusammengestellte Mannschaft auseinander bricht?
Gerd Schädlich: Was soll ich sagen, das ist eben das knallharte Fußballgeschäft. Warum diese enormen Abgänge vorhanden sind weiß ich auch nicht. Vielleicht hängt das auch mit dem Geld zusammen. Das ist heutzutage eben so. Früher hätte man sich vielleicht gesagt, zusammen noch ein Jahr ranzuhängen. Aber heute brauchst du eben das Geld und das hast du eben nicht. Denn Hauptsponsor war ja das Fernsehen, das hat über 50% des Etats abgedeckt.

BERGKGESCHREY: Welche Meinung hast du von unserer Nachwuchshoffnung im Sturm, Markus Müller?
Gerd Schädlich: Von Ihm habe ich eine positive Meinung, er hat ja auch schon die Vorbereitung mitgemacht. Er ist für mich ein guter Junge, ist körperlich schon weit, noch in einem entwicklungsfähigen Alter und kommt aus der Region. Roy Blankenburg hat nun jahrelang im Männerbereich mittrainiert, aber den Sprung nicht geschafft. Aber Markus Müller könnte das schaffen. Ich habe eine gute Meinung über ihn.

BERGKGESCHREY: Glaubst du, dass man mit dem wenigen Spielern der Vorsaison und den jungen Neuen die noch kommen werden den Klassenerhalt in Liga 3 schaffen kann?
Gerd Schädlich: Das ist ja alles Spekulation, wer bleibt und wer noch hinzukommt. Dazu möchte ich mich nicht äußern. Ich denke, dass man noch einiges in der Hinterhand hat. Letztendlich muss sich Heiko Weber auch an seinen Aussagen messen lassen müssen.

BERGKGESCHREY: Heiko Weber macht sich mit seinen Aussagen selbst das Leben schwer und baut sich unnötig einen hohen Druck auf. Aber das müssen wir dir wohl nicht sagen ..
Gerd Schädlich: Nein, da sind wir uns einig.

BERGKGESCHREY: Wie kamen die Aktionen (Choreo, Postkartenaktion, Fanprojekt) der Auer Fans bei dir an?
Gerd Schädlich: Das war wirklich super! Dafür möchte ich mich bei den Fans bedanken. Das hat mich tief bewegt.

BERGKGESCHREY: Hast du schon einmal so etwas Ähnliches in deiner Karriere erlebt?
Gerd Schädlich: Nein. Das war schon sehr bewegend. Gerade wenn man krank ist um so mehr.

BERGKGESCHREY: Was reizt dich noch? Die tagtägliche Arbeit mit den Spielern? Ein sportliches Ziel?
Gerd Schädlich: Beides. Wobei ich mir nach der arbeitsintensiven Zeit in Aue selbst gesagt habe, dass ich auch mal eine Pause brauche. Ich hätte eben damals vor der Saison Schluss machen und mich nicht überreden lassen sollen. Das wäre wohl für alle Beteiligten das Beste gewesen. Aber das ist eben schwer. Wenn man so lange in einem Verein ist, bauen sich ja auch viele Beziehungen auf. Man ist eben auch gerne auf Arbeit gegangen. Das ist nicht so einfach, nur 'Tschüß' zu sagen und gut. Wenn ich beim Saisonfinale der Bundesliga den Hitzfeld oder den Stevens gesehen habe.. Da denkt man das sind knallharte Burschen, aber wir als Trainer haben auch ein Herz und Gefühle .. Was soll ich sagen, das ist nicht immer so einfach, aufzuhören... Herz und Verstand .. aber wer macht das schon. Im Nachhinein ist man immer schlauer.

BERGKGESCHREY: Aber der Zeitpunkt war doch noch ok, da brauchst du dir keine Gedanken machen..
Gerd Schädlich: Ich denke, ich brauche mir keine Vorwürfe machen, dass ich an meinem Trainerstuhl geklebt hätte. Und ich denke, dass es ein Zeitpunkt war, wo man noch reagieren konnte. Man hatte ein Heimspiel mehr und war 'nur' zwei Punkte vom Nichtabstiegsplatz weg. Wenn es weiter gegangen wäre und wir hätten noch ein paar Spiele in den Sand gesetzt, dann wären es vielleicht noch mehr Punkte geworden und ähnliches wie damals in Dresden (Rückrunde von Dynamo im letzten Zweitligajahr unter Franke, Anm.) passiert. Das wollte ich mir auch nicht nachsagen lassen. Alle konnten reagieren und die Spieler haben auch eine andere Ansprache bekommen.

Allgemeine Bedingungen in Aue

BERGKGESCHREY: Annahme, ein jetziger oder zukünftiger Trainer in Aue würde dich um Rat und Tipps fragen, was ihn in Aue erwartet. Wie würdest du die Bedingungen in Aue für einen Trainer beschreiben?
Gerd Schädlich: In Aue gibt es gute Bedingungen! Man hat sich über die Jahre entscheidend verbessert. Wenn ich dagegen an meine Anfangszeit 1999 denke... Die Sporthalle gehört uns, es wurden Kunstrasenplätze geschaffen und wir haben einen separaten Trainingsplatz. Es sind richtig gute Trainingsmöglichkeiten vorhanden. Auch das ganze Drumherum mit der Geschäftsstelle. Ich denke, dass ich nur positiv darüber sprechen kann. Deshalb fiel es mir auch schwer, im Sommer aufzuhören. Auch die Fans, wie sie die Mannschaft trotz Abstieg gefeiert haben. Das ist auch wichtig, wie die Leute zum Fußball stehen und ihn beurteilen. Es war ja oft das Schönste: Wenn wir schlecht gespielt haben begannen die Fans plötzlich zu singen..

BERGKGESCHREY: War das Verhältnis Trainer und Präsident in Ordnung?
Gerd Schädlich: Man muss eben jeden so nehmen wie er ist. .. Was soll ich dazu sagen ..

BERGKGESCHREY: Er macht seine Sprüche, aber wir wissen wie wir das zu nehmen haben. Aber andere nehmen das vielleicht ernst ..
Gerd Schädlich: Ich weiß auch wie ihr, wie ich das zu nehmen habe.

BERGKGESCHREY: Du bist also nicht beleidigt wegen seiner Aussagen, dass kurz nach Beginn der Zeit von Seitz alles besser geworden sei .. ?
Gerd Schädlich: Dazu äußere ich mich nicht.

BERGKGESCHREY: Wenn du die Möglichkeit hättest, noch einmal im gefüllten Erzgebirgsstadion auf den Rasen zu treten und ein paar Worte an die Fans zu richten, was würdest du ihnen mitteilen?
Gerd Schädlich: Dieser Sache wollte ich eigentlich aus dem Weg gehen und deswegen habe ich auch die Möglichkeit am letzten Spieltag nicht wahrgenommen. Nach einem halben Jahr wollte ich keinen 'Großen Bahnhof' und habe das bewusst nicht gemacht. Ich denke, so etwas ist auch nicht gut für den aktuellen Trainer. Ich kann mich nur noch einmal bei den Fans für die Unterstützung bedanken. Es war 8 ½ Jahre einfach super. Das war bisher die schönste und auch die erfolgreichste Zeit für mich als Trainer. Ich möchte mich vor allem dafür bedanken, dass die Fans auch immer das Gespür hatten, dass wir ehrliche Arbeit abgeliefert haben. Ich glaube schon, dass man so etwas in Aue richtig wertet und schätzt. Woanders wird da eher gepfiffen und beleidigt. Klar gab es so etwas in Aue auch einmal, aber das war eigentlich die Ausnahme. Gerade in der heutigen Medienlandschaft, wo der Fan beeinflusst wird. Für mich war Aue eine richtig supertolle Zeit. 8 ½ Jahre ist ja auch eine lange Zeit und ich hätte es auch noch gerne etwas gestreckt. Aber es ging ja nicht mehr. Dann war ein Punkt erreicht, wo es vielleicht das Beste war, aufzuhören. Es war mir zwar schwer gefallen, aber vielleicht hatte ich auch deshalb gesundheitliche Probleme, weil alles so auf mich eingestürzt ist. Ich kann über Aue eigentlich nur Gutes sagen.

BERGKGESCHREY: Das Kompliment können wir nur zurückgeben! Eine Frage hätten wir noch. Wann wusstest du im Aufstiegsjahr, dass wir es packen könnten?
Gerd Schädlich: Bei Dynamo Dresden, als Petr Grund dieses Windtor geschossen hat.

BERGKGESCHREY: Vielen Dank! Vielen Dank für das für die schönen Jahre. Bleib wie du bist und bleib gesund!
Gerd Schädlich: Euch auch vielen Dank! Und schöne Grüße an alle Fans!