22. Spieltag 2.Bundesliga 2007/08
Borussia Mönchengladbach - FC Erzgebirge Aue 2:0
Mein Name ist Bernd, ich bin über 50 Jahre alt und möchte über eine ungewöhnliche Busfahrt berichten. Busfahrten sind für mich grundsätzlich alltäglich, denn ich bin Fahrer bei Flaum-Reisen aus Schwarzenberg. Normalerweise rollen wir deutschlandweit eine Armada von Weißköpfen zu Hansi Hinterseeer oder Semino Rossi, wenn diese ausnahmsweise mal nicht am Wochenende in der Chemnitzer Stadthalle aufspielen. Aber diesmal sollten wir erstmals Fußball-Fans zu einem Spiel fahren. Man hatte uns vor diesen 'Kaputten' gewarnt, aber es war Winter im Erzgebirge und wir brauchten das Geld. Die Typen wollten am 29. Februar 2008 zu einem Spiel von Aue in Mönchengladbach fahren. Obwohl Aue derzeit auswärts nie gewinnt! Ich bin auch Aue-Fan und war nach dem Aufstieg zum Beispiel beim Pokalkracher gegen die Bayern 'unten' im Stadion, aber extra durch den ganzen Westen fahren um zu verlieren? Begreife ich nicht, aber ich fahre ja nur den Bus.
Treffpunkte zum Einsammeln der 26 Schlachtenbummler waren Aue, Stollberg und Hohenstein- Ernstthal. Größtenteils gehörten sie dem Fanclub 'Bergkgeschrey' an. Ich hatte mich erkundigt und erfahren, dass diese Bande hauptsächlich aus ehemaligen Studenten und Schreibtischhockern besteht. Nicht so wie früher, wo sich Wismut-Fans grundsätzlich nur aus harten Bergmännern rekrutierten. 'Hart' waren die früher natürlich auch des Wismut-Schnaps' wegen, aber diese Eigenschaft muss die Zeitenwende überstanden haben. Die Typen vom 'Bergkgeschrey' schleppten unzählige Kästen Bier und diverse andere Alkoholika in unser Gefährt. Komische Typen allen Alters waren darunter. Viele in Wismutfarben, einige in gefährlichen Kapuzendingern und manche sogar fein in Hemd und lila Schlips. Manche könnten meine Kinder sein, einige waren betagter als ich. Ein älterer Altrocker hatte sogar eine Gitarre dabei. Er wurde "Gerlach Stef" genannt und sollte wohl noch aufspielen.
Kurz nach Beginn der Fahrt ging der An'führer' Tommy ans Mikrofon und begrüßte noch einmal alle Clubmitglieder und anwesenden Gäste. Das ganze ging parallel mit dem 'Pfloppen' und 'Zischen' der ersten, zweiten oder gar dritten Bierkappen einher. Des Weiteren wurden auch Delikatessen wie selbstgemachter Rotwein oder auch 'Knoblauch eingelegt in Knoblauch' gereicht. Kurz nach der sächsisch-thüringischen Grenze lag die Stimmung der Fahrgäste als auch der Pegel des Bordklo's bereits auf einem Businternen Jahrhunderthoch. Ein Burgschdorfes Gelump namens 'Wurzel' führte ein schriftliches Wissenquiz über Wismut und Erzgebirge Aue durch und korrigierte die einzelnen Tippzettel profihaft mit einer eigens angefertigten Lochschablone. Sieger im Quiz wurde deren Anführer, welcher sich für den frenetischen Jubel mit einer so genannten 'Uffta' bedankte. Danach wurde das Fehlen eines Reiseleiters mit Namen 'Tomislav' bedauert und ein mit stark slawischen Dialekt sprechender 'Grenzgänger' sprang für ihn ein. Er begleitete für einige Kilometer die Fahrt mit sachkundigen Bemerkungen über was auch immer.
Während sich die A4 gewohnt in die Länge eines TRANSSIB-Abschnittes zog, ließen die Schreyhälse diverse Schlachtrufe von sich und forderten das erste Konzert von Stargast 'Stef'. Der ließ sich nicht 2x bitten und spielte Aue-Songs und sogar erzgebirgisches Liedgut. Der Bus tobte wie sonst nur beim Vorspielen alter 'Kessel Buntes' - DVDs auf dem Businternen TV-Gerät. A propos, ich wollte mich nicht lumpen lassen und brachte meine Porno-DVD zum Einsatz: 'Eis am Stiel III'. Auf jeder Klassenfahrt war dies seit Anfang der 90er DER Reißer, um mich bei der Jugend gut zu stellen. Leider forderte die Busbesatzung das sofortige Abschalten von Benny, Johnny & Co., um selber Party zu machen: Drugs and Rock'n Roll statt 'Sex'! So blieb die Wismut alleiniger Hauptdarsteller vom Anfang bis zum Ende.
Unterbrochen wurde die Fahrt nur von einigen Aufenthalten auf den Rastplätzen unserer Republik. Dies nutzten die Fans zum Schießen eines Gruppenfotos und vor allem zum 'Entleeren'. Wie auf jeder Reise wurde auch hier die ein oder andere bekannte Person gesichtet. Curri's Spezi Mopo-Woko gab sich ebenso die Ehre wie der langjährige Co-Trainer Frank Engel, welcher sich unter Bedrängnis der Auer Fanschar zu einem optimistischen 2:2 Spieltipp hinreißen ließ. Zwischendurch wurde auch eine Busbesatzung Nonnen mit mehr oder weniger qualifizierten Sprüchen 'auf's Kreuz gelegt'.
Nach ca 8,5 Stunden Reisezeit kam man gg 16:30Uhr vorm Stadion in M'gladbach an. Der Fanclub nebst Anhang purzelte direkt vorm Haupteingang heraus, während ich den Bus im Anschluss perfekt hinter dem Gästeeingang abparkte. Mir ist es ein Rätsel, wie es die Busbesatzung samt Fanclub- und Alkoholfahne durch den Einlass schaffte. Lediglich 2 Mann mussten draußen bleiben, was trotz energischer Diskussion bis 30min nach Anpfiff nicht verhindert werden konnte. So vermochten sich die beiden nur von Außen ein Bild von diesem Prachtbau machen. Ich muss schon sagen, dass diese, zu neideitsch, 'Arena' einen imposanten Anblick bietet. Da kann sich das Auer Kulturhaus verstecken!!! Wenn man außerdem bedenkt, dass in diesem Stadion die Mannschaft zu Hause ist, die Größen wie Jupp Heynckes oder Günther Netzer herausgebracht hat ... und wenn man bedenkt, dass selbst die heutige Mannschaft einen alten und vielleicht neuen, deutschen WM-Teilnehmer Namens Oliver Neuville beherbergt ... wenn man alles dies bedenkt, dann erahnt man, warum diese Typen, die jahrelang Mannschaften wie Optik Rathenow oder Dynamo Dresden aushalten mussten, für diesen Tag extra Urlaub nehmen und einfach nur feiern.

Ich gebe zu, dass mir jemand diesen letztgenannten Satz während der Fahrt ins Fahrtbuch notierte. Ich denke, an dieser Stelle passt er ganz gut in den Bericht und man glaubt zu ahnen, was diese Irren zu diesem Ausflug bewegt. Das Spiel wurde letztendlich 2:0 verloren, was neben dem Schiri, der Stärke des Heimteams und dem Glück auch am Pech und Unvermögen der Auer lag. Letztendlich muss es aber ein besserer Auftritt gewesen sein, denn man sah es im Bus relativ gelassen und glaubte einen Aufwärtstrend zu sehen. Nicht zuletzt aufgrund der zurückgewonnenen Heimstärke. Im Westen gab es an dem Tag aber letztendlich wie immer nix Neues. Deswegen und im Angesicht von Emma (dem Sturmtief) nahm ich meinen Bleifuß und gab meinem kleinen Bus die Sporen.
Die Besatzung war deutlich ruhiger als auf der Hinfahrt. Ein Highlight für die Halbtoten gab es an der Raststätte Eisenach, wo ich den Bus direkt hinter dem Mannschaftsbus des FC Erzgebirge parkte. Dessen Mannschaft tippelte an unserem Fanbus vorbei und so kam es dann doch noch zu einem Treffer. Diesen 'schoß' Tomasz Kos, indem er eine der letzten gefüllten Bierflaschen im Vorbeigehen aus Versehen kickte und umstoß. Das Malheuer wurde von ihm beseitigt, aber Punkte gab es für diesen 'Treffer' weder von der Busbesatzung noch von der DFL. Spieler war Blindfisch und die Flasche leer. Gegen 4:30 Uhr landete ich wieder in STL, wo der Großteil der Besatzung auscheckte. Einige peilten sogar noch Tankstellen zur erneuten Aufnahme von Genussmitteln an, andere umkurvten auf ihrem Heimweg nicht vorhandene Hindernisse mit ihrem PKW.
Letztendlich waren irgendwann auch der letzte Schrey in seinem Bett und mein Bus wieder auf seinem angestammten Platz, so dass mein Kollege paar Stunden später wieder wie gewohnt die Türen für unsere Kriegsgeneration öffnen konnte. So wie immer. Als ob nix gewesen wäre. Nur eine Fahrt von Anhängern der BSG Wismut Aue zu einem Punktspiel bei Borussia Mönchengladbach .. .
Euer Bernd alias TommyO |